Sentiero alpino di Calanca
August 24, 2010 at 22:51 Neben dem ganzen Triathlon-Zirkus, war die Planung unserer 3-tägigen Wanderung auf dem Sentiero Alpino di Calanca von San Bernardino nach Santa Maria, eine willkommene und erfrischende Abwechslung.
1. Tag: San Berardino - Rifugio Pian Gran
Los gings am Donnerstag 28. Juli 2010 in San Bernardino bei einem Himmel, dessen Wolken fast bis zum Boden herab reichten. Doch wir hatten Glück, es war zwar grau, aber mehrheitlich trocken. Ein kühler Wind blies uns bereits beim Start auf 1600 Höhe ins Gesicht. Eingepackt und mit vollem Rucksack wanderten wir los in Richtung Pian Gran, unsere erste Zwischenstation auf dem kommenden 50 Kilometer langen Wanderung.
Bald erreichten wir die Baumgrenze, die erste Alp und den Pass de la Cruseta auf 2455 Meter. Es war frisch, der Himmel wolkenverzogen, die Berge lugten grimmig auf uns herab. Doch vom Aufstieg war uns schön warm. Nach kurzweiligen 3,5 Stunden erspähten wir auch schon die Spitzdächer der beiden Biwackhütten.
Das Refugio Pian Gran war für mich nichts Neues, denn ich hab den Sentiero bereits im 2006 bewandert. Allerdings damals in 5 statt wie jetzt in 3 Tagen.
Für Christoph eine neue Erfahrung, nicht nur eine 3-tägige Wanderung zu absolvieren sondern auch mit so vielen Leuten auf engsten Raum zu hausen.
Wir kochten unser mitgebrachtes Abendessen. Es war fast so gediegen wie Zuhause, nur der Wein fehlte;-) Die Sonne ging bald unter und wir machten uns «bettfertig», zogen unsere Thermokleider an inkl. Kappe. Den Strom oder eine Heizung gabs hier nicht.
Wird's dunkel heisst das in Berghütten auch Nachtruhe. Die Bettnachbarn schliefen ein und gleichzeitig bemerkte ich, was ich vergessen hatte: die Ohrenstöpsel! Wer schon mal in einer Berghütte übernachtet hat, weiss vom Schnarchkonzert der Mitbewohner.
2. Tag: Rifugio Pian Gran - Capanna Buffalora
Um 6.00 Uhr wurde es hell. Für uns hiess das aufstehen, denn eine 10-stündige Wanderung bis zur Capanna Buffalora stand bevor. Wir stärkten uns mit Poridge und heissem Tee. Draussen blies ein kalter Wind und Schneeflocken tänzelte vor sich hin. Eingepackt und noch schlaftrunken gings los auf den ersten Übergang, welcher auch der höchste Punkt der Wanderung war. Cresta Bedoleta 2514 Höhenmeter. Wir wurden belohnt mit einem tollen Ausblick auf die umliegenden Alpen und den blauen Himmel im Süden.
Der Abstieg auf die Alp de Trescolmen frass uns fast 500 Höhenmeter, die wir in den nächsten Stunden wieder aufstiegen. Weiter ging es eine ganze Weile über grosse Steine und Geröll. Konzentration war gefragt und ich war froh, hatte ich meine Stöcke dabei. Dann endlich kam der Grad und die atemberaubenden Blicke in die Tiefe des Calancatal. Gings doch hier etwas 1000 Meter steil abwärts. Schwindelfrei muss man tatsächlich sein für diese Passagen. Gefährlich ist es aber nie. Ketten wurden in Fronarbeit überall dort montiert, wo es nötig war.
Nach dem Mittag erreichten wir unser erstes Etappenziel, das Rifugio Ganan. Hier machen wir halt und stärken uns mit Brot und Fleisch. Das Tal von Ganan ist eindrücklich karg. Fels und Stein so weit das Auge reicht. Hier hausen nur Murmeltiere und die Steinböcke, dafür gleich in ganzen Rudeln.
Weiter geht's über grosse Steinblöcke auf den nächsten Grad. Dank der ausserordentlichen guten Markierung, braucht man hier nicht mal ne Karte. Auf dem schmalen Pfad in luftiger Höhe umrunden wir weitere Felsformationen.
Endlich ist die Capanna Buffalora in sichtbarer Nähe, eingebettet im Lerchenwald. Wir sind schon ein wenig Müde und froh, bald anzukommen. Doch die Luftlinie ist um einiges kürzer als unser tatsächlicher Weg. Vorbei an einem weiteren Bergsee, dem Herzchensee. Wir verlieren an Höhe und kommen so auch der Waldgrenze näher. Das letzte Stück, auf weichem Waldboden, ist Balsam für meine Fusssohlen und die Knier.
Der Empfang auf der Hütte ist herzlich, mit einem frischen selbstgemachten Tee. Weil die Hütte fast ausgebucht war, durften wir in der Dépandance ein paar 100 Meter weiter unterhalb der Hütte übernachten. Die Dépandance war nichts anderes als ein Biwak an einem romantischen, kleinen Bergsee.
Doch Romantik hin oder her, wir waren so müde, dass wir gleich nach dem Abendessen einschliefen und das, bevor es richtig dunkel war.
3. Tag: Capanna Buffalora – Santa Maria
Am nächsten Morgen weckte uns um 6.30 Uhr der Wecker. Es fiel mir schwer, unter der warmen Wolldecken raus zu kriechen. Im Biwak war es so kalt, dass beim Sprechen der Atem weiss war.
Doch draussen ging bereits am wolkenfreien Himmel die Sonne auf. Wir freuten uns übers schöne Wetter und die ersten warmen Sonnenstrahlen. Warm wurde es uns sowieso gleich, den der heutige Tag begann mit einem Auftstieg auf den Passo di Buffalora und Fil de Nomnom, cirka 400 Höhenmeter galt es zu überwinden. Dank der langen Nacht, fühlte ich mich heute ausgeruht und motivierten Tag, um die nächsten 7 Stunden Wanderzeit unter die Füsse zu nehmen.Vielleicht lags einfach auch am Wetter?!
Oben auf dem Pass erwartet uns neben einer weiteren spektakulären Aussicht, ein ebenso spektakulärer Abstieg!! Eine Eisenleiter half im oberen Teil den steilen Kessel zu überwinden. Mir wurde es trotzdem mulmig. Ob das am Alter liegt? Vier Jahre zuvor, ging ich doch da ganz locker runter?!
Die Passagen hier sind ausgesetzt, aber nach wie vor gut gesichert. Wir verlieren weiter an Höhe und wandern bald durch's hohe Gras inmitten von Lerchen und Tannen.
Ach, unser neues Gspändli hab ich noch gar nicht vorgestellt, nicht wahr?! Heute begleitet uns eine Ziege. Sie folgt uns Schritt auf Tritt!! Ihr ist kein Hindernis zu steil, sie überwindet alles. Auch das metertiefe Tobel, dass wir nur dank einer weiteren 5 Meter langen Eisenleiter runter kommen. Wir dachten schon, dass wir hier Abschied nehmen werden von der Ziege. Doch nach ein paar Minuten, hörten wir von hinten das Glöcknern näher kommen. Keine Ahnung wie sie da runtergekommen war.
Nach einem weiteren Anstieg, kommen wir auf den letzten Pass des Sentieros. Hier machen wir Halt, assen was unsere Rucksäcke noch hergaben und genossen den Blick ins tiefe Calancatal. Unterdessen waren die Temperaturen richtig sommerlich warm geworden, so wie es sich für diese Jahreszeit gehörte.
Die letzte Etappe unserer Wanderung war für mich fast die Härteste. Über 1000 Höhenmeter Abstieg. Ein wirklich steilen Bergrücken hinab direkt nach Santa Maria. Der dünne Pfad schlängelte sich durch Lawinenverbauungen und dicken Tannenwald. Neben Kondition war hier auch Balance gefragt. Christoph hüpfte locker und leicht den Berg runter und war kaum mehr zu bremsen. Ich hingegen klammerte mich etwas verkrampft an meine Wanderstöcke. Im Schlepptau die Ziege. Diese machte sich einen Spass draus, mich bei jeder sich anerbietenden Gelegenheit zu überholen, um in der nächsten Kurve, mir fressend den Weg zu versperren! Nach einem 1,5h Abstieg erreichten wir endlich die Landstrasse, die uns in einem weiteren kurzen Marsch zum Dorfplatz und zur Postauto-Station führte. Der Ziege sagten wir hier Adieu, obwohl sie am liebsten mit uns eingestiegen wäre.
Müde, aber zufrieden fuhren wir talaufwärts, durchs Missox nach San Bernardino, zum Ausgangspunkt unserer Wanderung. Von unten sahen die Berge noch eindrücklicher aus, als wann man hoch oben auf dem Sentiero wanderte. Auch zum zweiten Mal, ist und bleibt der Sentiero Alpino di Calanca für mich ein ganz spezielles Erlebnis, wessen Bilder ich nicht so schnell vergessen werde.
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