Von Chiclana nach Marrakech
Valérie Vuillerat
Juni 2, 2012 at 07:24 Dieses Jahr verbringe ich meine Zeit als Gruppenleiterin bei Bicycle Holidays Max Hürzeler nicht wie gewohnt in der Provinz von Cadiz (Andalusien), sondern bin mit einer Reisegruppe unterwegs mit dem Rad nach Marrakech. Gestartet sind wir letzten Sonntag in Chiclana. Nach 5 Velotagen ist heute der 6. Tag ein Ruhetag in Fèz.
Die erste Etappe kannte ich bereits aus dem Vorjahren meiner Tätigkeit aus Gruppenleiter in dieser Region. Die Route führte uns von Chiclana nach Tarifa. Dank Rückenwind und Sonne ohne Ende hätte der Start auf diese 1050km lange Radrundfahrt nicht besser sein können. Wir kamen pünktlich in Tarifa an, um Europa mit der Fähre zu verlassen. Die Überfahrt war eine ziemlich wackelige, einstündige Angelegenheit. Die Einreise in Tanger verlief für uns Radfahrer reibungslos, obwohl die Marokkaner uns mit grossen Augen angesehen haben. Im Marokko gibt es nämlich keine Radrennfahrer.
Viel Zeit in Tanger blieb nicht. Doch die Fahrt ins Hotel auf dem Boulevard entlang des Meeres hinterliess prägende Eindrücke: viele Autos, Mopeds und Menschen. Es war einfach ein riesen Puff und laut. Diese Eindrücke kommen bis heute immer wieder, sobald wir in die Nähe oder in eine grossen Stadt kommen. Als Radfahrer nicht immer ganz einfach, in diesem Verkehrschaos einen Weg zu finden, aber soweit klappt es doch ganz gut.

Die Tage auf dem Rad laufen ganz ähnlich ab. Nach dem Frühstück fahren wir jeweils gegen 9:00 Uhr los und haben jeweils zwischen 80 und 130km zu fahren. Die einen Etappen sind etwas hügeliger als andere. Was von Tag zu Tag nun merklich zugenommen hat ist die Temperatur. Diese macht nicht nur den Gästen zu schaffen sondern auch mir. So habe ich am 2. Tag, als ich eine Radfahrerin bei 30 Grad langsam den 12km langen Pass hinauf begleitete, das Gefühl ich würde einen Sonnenstich kriegen. Doch das war noch gar nichts. Gestern dann auf der letzten Etappe vor dem heutigen Ruhetag, fing bei Kilometer 40 ein heisser Föhn genau von Vorne an zu blasen. Das Thermometer zeigte 45 Grad an! Es fühlte sich an als würde man bei Umluft im Backofen Radfahren. Die folgenden 30 Kilometer bis nach Fèz waren wohl meine härtesten Kilometer die ich je gefahren bin.
Bei Ankunft im Hotel ist dann meistens zwischen 15:00 und 18:00 Uhr, je nachdem wieviele Pausen wir unterwegs gemacht haben. Jedoch wurden die Pausen bei grosser Hitze täglich zahlreicher und länger! Meist bleibt vor dem Abendessen noch Zeit für einen Sprung in den Pool:)
Mit dem Rad durch Marokko zu fahren, ist wirklich eindrücklich. Dieses Land ist soviel abwechslungsreicher und fruchtbarer, als ich dachte. Die Menschen die wir treffen, zeigen eine riesen Freude an uns Radfahrer. So wird uns oft zugejubelt und -gerufen. Die Marokaner sind gastfreundlich und hilfsbereit. Das Essen ist sehr fein und gesund und kostet praktisch nichts, vorallem wenn man unterwegs draussen in der Pampa Tajine zum Mittagessen bestellt. Doch das Kochen mit den vielen Gewürzen ist für uns Europäer doch gewöhnungsbedürftig. In Kombination mit Sport und der Hitze, mir zur Zeit gerade ein Verhängnis.
Der heutige Ruhetag hat auf jeden Fall gut getan. Die morgendliche Stadtführung in Fèz war sehr eindrücklich. Fèz ist wohl die orientalischte Stadt in ganz Marokko, auch eine sehr traditionelle. In der Medina (ältester Stadtteil) stehen über 200 Moscheen auf engstem Raum. Die Frauen tragen Kopftücher und manche haben sogar verschleierte Gesichter. Besonders interessant war die Gerberei, wo die Angestellten ohne Schutz in der prallen Sonne und bei einem fürchterlichen Gestank den ganzen Tag das Leder färben und behandeln.

Nun morgen früh geht's weiter. Langsam geht's jetzt in Richtung Atlas nach Marrakech in weiteren 6 Radtagen.